Italien plant eine grundlegende Reform seiner Straßenverkehrsordnung (Codice della Strada), die spürbare Erleichterungen für Motorrad- und Rollerfahrer bringen könnte. Der italienische Ministerrat hat einen entsprechenden Entwurf mit weitreichenden Neuerungen vorläufig gebilligt. Zwar befindet sich das Gesetzespaket noch im parlamentarischen Verfahren und soll voraussichtlich erst zum 1. Januar 2028 in Kraft treten, doch die geplanten Änderungen stoßen in der Motorrad-Szene bereits jetzt auf großes Interesse. Im Zentrum der Reform stehen neue Bestimmungen für den Umgang mit stockendem Verkehr und Staus, die das oft gängige, bislang aber illegale Durchschlimmeln auf legalen Boden stellen sollen.
Pannenstreifen und „virtuelle Spur“ im Visier
Künftig ist im Rahmen des Entwurfs durch neue Motorrad-Regeln in Italien vorgesehen, dass Motorrad- und Rollerfahrer bei Staus oder Unfällen auf Autobahnen den Pannenstreifen (corsia di emergenza) mit angepasster Geschwindigkeit befahren dürfen, sofern Einsatzfahrzeugen jederzeit uneingeschränkt Platz gemacht wird.
Für innerstädtische Bereiche ohne Pannenstreifen sieht das Konzept auf mehrspurigen Straßen mit baulich getrennten Richtungsfahrbahnen die Einrichtung einer sogenannten „corsia virtuale“ (virtuelle Spur) vor. Autofahrer wären demnach verpflichtet, in stehenden Kolonnen durch entsprechendes Positionieren eine Gasse freizuhalten. Wer den durchfahrenden Zweirädern den Weg versperrt, muss künftig mit empfindlichen Bußgeldern zwischen 80 und 320 Euro sowie dem Abzug von Punkten rechnen.
Streichungen bei Dokumenten und neue Bekleidungsvorschriften durch neue Motorrad-Regeln in Italien
Neben den Verkehrsflüssen bringt die Reform auch administrative Erleichterungen: So sollen künftig Führerschein und Zulassungsbescheinigungen bei Kontrollen auch digital in nationalen Datenbanken geprüft werden können, womit das Mitführen von Papierdokumenten entfällt.
Auf der Autobahnseite zieht der Entwurf im Gegenzug strengere Zügel bei der Fahrerausstattung an: Vorgeschrieben werden sollen neben dem Helm künftig auch zertifizierte Handschuhe sowie ein Rückenprotektor oder eine Airbag-Weste für Fahrer und Beifahrer. Als Vorbild für die neuen Regelungen nennt Rom ausdrücklich den spanischen Weg, der sich im dortigen Alltag bereits bewährt haben soll. Bis zum endgültigen Inkrafttreten im Jahr 2028 bleibt jedoch abzuwarten, welche Details im parlamentarischen Feinschliff noch angepasst werden.

