Ein spektakulärer historischer Entdeckungserfolg hat in der Oldtimer- und Militärhistoriker-Szene für großes Aufsehen gesorgt. Nach mehr als acht Jahrzehnten am Grunde des Wassers wurde ein historisches Zweirad der deutschen Wehrmacht entdeckt und geborgen. Der außergewöhnliche Fund der DKW NZ 350-1 aus den Fluten der Donau liefert einen faszinierenden Einblick in die Endphase des Zweiten Weltkriegs und die damalige Produktion von Militärfahrzeugen.
Trotz der jahrzehntelangen Lagerung im Schlick und der stetigen Strömung des Flusses befindet sich die Substanz der Maschine in einem erstaunlich konservierten Zustand, was auf den Mangel an Sauerstoff im tiefen Flusssediment zurückzuführen ist.
Bergungsaktion offenbart gut erhaltenes Technik-Relikt
Die Bergung des schweren Metallfahrzeugs erforderte den Einsatz von spezialisierten Gerätetauchern und Hebeausrüstung. Nach der vorsichtigen Anhebung an die Oberfläche zeigte sich das Fahrzeug weitgehend komplett. Rahmen, Gabel, der charakteristische Motorblock sowie Teile der Blechanbauteile waren trotz dicker Sedimentschichten und Muschelbewuchs noch klar zu identifizieren. Historiker gehen davon aus, dass das Motorrad in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 bei Rückzugsgefechten oder der gezielten Unbrauchbarmachung von Material durch Soldaten im Fluss versenkt wurde, um es nicht dem feindlichen Vormarsch zu überlassen.
Technische Besonderheiten und die historische Einordnung des Modells
Das geborgene Fahrzeug ist kein gewöhnliches Vorkriegsmodell, sondern eine ganz spezifische Kriegsausführung der bekannten Zschopauer Motorenwerke.
Gusseisener Motorblock als Zeichen der Rohstoffknappheit
Das Kürzel „-1“ in der Modellbezeichnung weist auf die ab 1944 produzierte Wehrmachtsausführung der NZ 350 hin. Das herausragende technische Merkmal dieser Kriegsausführung ist das Gehäuse des Motors: Während vor dem Krieg und in den ersten Kriegsjahren Leichtmetall (Aluminium) für das Kurbelgehäuse verwendet wurde, zwang die extreme Rohstoffknappheit der deutschen Rüstungsindustrie die Ingenieure zur Umstellung. Der Fund der DKW NZ 350-1 besitzt daher ein massives Gehäuse aus Grauguss. Dies machte die Maschine zwar um einige Kilogramm schwerer, sparte jedoch kriegswichtiges Aluminium für den Flugzeugbau ein.
Einzylinder-Zweitaktmotor mit robuster Militärausstattung
Der flüssigkeitsgekühlte beziehungsweise luftgekühlte Einzylinder-Zweitaktmotor verfügt über einen Hubraum von exakt 346 Kubikzentimetern und leistete werksseitig rund 11 PS. Diese Leistung reichte aus, um das robuste Krad auch im schwierigen Gelände oder im Beiwagenbetrieb zuverlässig zu bewegen. Zur spezifischen Militärausstattung gehörten unter anderem ein verstärkter Wirbelstrom-Luftfilter für staubige Etappen, Packtaschenhalterungen aus Stahlblech sowie ein abgedunkelter Tarnscheinwerfer (Notek-Scheinwerfer) an der Front.
Zukunft des Scheunenfundes aus dem Wasser
Nach der erfolgreichen Bergung wurde das Fahrzeug umgehend konservierenden Maßnahmen unterzogen, um den rapiden Korrosionsprozess an der frischen Luft zu stoppen. Experten und Restauratoren stehen nun vor der Frage, ob die Maschine vollständig in den Originalzustand versetzt oder als konservierter Zeitzeuge mit seiner sichtbaren Fluss-Patina in einem Museum ausgestellt werden soll.
In Fachkreisen wird der historische Fund der DKW NZ 350-1 als einer der spektakulärsten Funde von Militärfahrzeugen der letzten Jahre bewertet, der die Geschichte der Zschopauer Zweitakt-Tradition um ein wichtiges Kapitel bereichert.


