Mit der offiziellen Präsentation der serienreifen CFMoto V4SR-RR auf der EICMA 2026 wagt der ambitionierte chinesische Hersteller den entscheidenden Schritt in die Königsklasse der Liter-Superbikes. Nach einer mehrjährigen Entwicklungs- und Testphase, die über mehrere Messen hinweg vom nackten Motor bis hin zum fahrbereiten Prototypen reichte, steht nun das fertige Serienmodell im Rampenlicht. Damit erweitert die Marke ihr Portfolio, das bisher vor allem durch erfolgreiche Mittelklasse-Sportler wie die 450SR und die 675SR geprägt war, um ein kompromissloses Top-Flaggschiff, das etablierte Hersteller im Segment der Supersportler direkt herausfordert.
MotoGP-Technologie und kompromisslose V4-Performance
Das Herzstück des neuen High-Performance-Bikes bildet ein von Grund auf neu entwickelter 90-Grad-V4-Motor mit 997 Kubikzentimetern Hubraum. Das Aggregat schöpft eine Höchstleistung von über 210 PS (rund 154 kW) bei brachialen 15.000 Umdrehungen pro Minute. Eine zentrale technische Besonderheit, die direkt aus der MotoGP entlehnt wurde, ist die gegenläufig drehende Kurbelwelle. Durch die entgegengesetzte Rotationsrichtung zu den Rädern wird der gyroskopische Kreiseleffekt signifikant geschwächt, was das Einlenken in enge Kurven spürbar erleichtern und die Neigung zu unerwünschten Wheelies wirksam dämpfen soll. Titan-Pleuel vom Spezialisten Pankl sowie ein Frontrahmen, der direkt an die Zylinderköpfe geschraubt ist und als tragendes Element dient, unterstreichen den kompromisslosen Rennsport-Anspruch der gesamten Konstruktion.
Aktive Winglets und aerodynamische Finesse
Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in der aktuellen Serienproduktion stellen die aktiven, aerodynamischen Winglets an der Verkleidung dar. Im Gegensatz zu starren Flügeln verfügt jedes Element über einen eigenen elektrischen Stellmotor, wodurch sie unabhängig voneinander angesteuert werden können. Laut Herstellerangaben erzeugt das System kurz vor harten Bremsmanövern aus einer Geschwindigkeit von 160 km/h bis zu 20 Prozent mehr Abtrieb am Vorderrad als konventionelle Lösungen.
Aerodynamik, Hightech-Fahrwerk und limitierte Rennsport-Optik bei der CFMoto V4SR-RR
Bei extrem hohen Geschwindigkeiten können die Flügel zudem asymmetrische Winkel einnehmen, um die Stabilität bei rasanten Richtungswechseln aktiv zu unterstützen. Die aerodynamische Feinabstimmung erfolgte im renommierten Windkanal von Pininfarina in Italien. Flankiert wird diese Hightech-Ausstattung von einem voll einstellbaren Öhlins-Fahrwerk, bissigen Brembo-Hypure-Bremsätteln, einer kompletten Titan-Abgasanlage von Akrapovič sowie serienmäßigen Pirelli Diablo Supercorsa SP V4 Reifen. Das trockene Gewicht des Supersportlers wird mit rund 180 Kilogramm beziffert. Als sportliche Ergänzung präsentierten die Macher zudem die Variante V4SR-RR Carbon Black, die mit noch mehr Kohlefaser-Teilen und einer konsequent auf den Rennstreckeneinsatz optimierten Optik aufwartet.
Vorgeschichte, Rekordfahrt und Verfügbarkeit
Bereits im Vorfeld der Messe hatte das Supersport-Modell für Schlagzeilen gesorgt, als ein Vorserien-Prototyp im Juni 2026 auf einem Testgelände eine Höchstgeschwindigkeit von fast 316 km/h erreichte und damit einen offiziellen Rekord für in China gefertigte Verbrennermotorräder aufstellte.
Einen offiziellen Verkaufspreis für die CFMoto V4SR-RR sowie einen exakten Markteinführungstermin hat CFMoto im Rahmen der Premiere in Mailand noch nicht bekannt gegeben. Während in der Branche zunächst ein Verkaufsstart im Laufe des Jahres 2027 erwartet wurde, deuten Berichte aus Fachkreisen auf einen möglichen Marktstart im Frühjahr 2028 hin. Klar ist jedoch bereits jetzt: Mit dieser Materialschlacht zielt das Motorrad unverkennbar auf die absolute Weltspitze ab.

